RUSSIAN Power

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RUSSIAN Power

Was für eine Dominanz der russischen Gewichtheber zur Weltmeisterschaft in Paris! Bei der Veranstaltung konnte man oft beobachten  wie die Athleten aus dem Osten auf dem Siegerpodest die Nationalflagge freudig in die Höhe streckten. In der Wertung für die Olympiaqualifikation belegte Russland bei den Frauen und Männern jeweils den zweiten Platz knapp hinter China.

In den Frauengewichtsklassen bis 63kg, 69kg und 75kg gewannen  TSARUKAEVA Svetlana, SLIVENKO Oxana und EVSTYUKHINA Nadezda. Bei den Männern war der Zweikampf zwischen AKKAEV Khadzhimurat und KLOKOV Dmitry der Höhepunkt der Weltmeisterschaften in Frankreich. Am Ende konnte sich AKKAEV mit nur 2kg Vorsprung den Titel bis 105kg sichern. CHEN Oleg konnte sich zwischen den beiden Chinesen platzieren und wurde mit der Silbermedaille in der Gewichtsklasse bis 69kg belohnt.

Nicht nur die bewältigten Lasten beeindrucken, sondern auch die Art und Weise wie diese nach oben gestemmt wurden. Ohne Gnade, ohne ein Lächeln betreten die Sportler die Bühne. Ohne große Spielerei geht es an die Hantel. Die zentnerschweren Gewichte werden  fokussiert. Der Blick von z. B. KLOKOV sagt mehr als 1000 Worte. Biss, Brutalität, Konzentration, Konsequenz… Es gibt nur ein Ziel: die Last muss nach oben. Etwas anderes wird nicht geduldet. AKKAEV und KLOKOV schaffen am Ende jeweils sechs gültige Versuche. Und das bei dem Niveau! AKKAEV erreicht 430 im olympischen Zweikampf, KLOKOV 428. Der dritte Platz folgt erst bei 410kg. Jeder, der schon mal einen Wettkampf bestritten hat, weiß wie groß die Aufregung und die Unsicherheit sind. Selbst bei einer optimalen Vorbereitung kann man durch schlechte Konzentration oder eine minimale Widrigkeit einen Versuch im Wettkampf nicht schaffen. Aber die beiden Russen starten an dem Tag ein wahres Feuerwerk. Als wäre es Nichts setzen beide 232kg mit einem wilden Kraftschrei um und lassen auch im Ausstoß nichts anbrennen und wuchten die Hantel souverän und ohne große Mühe hoch. Wahnsinn! KLOKOV verzichtet dabei sogar auf einen Gewichthebergürtel. Respekt hoch zehn!

Der eine oder andere mag die Dopingproblematik ansprechen. Sicher gibt es dazu viele Storys und leider konnte es oft genug nachgewiesen werden. Aber um das Verwenden unerlaubter Mittel geht es jetzt ausnahmsweise nicht. Keinesfalls möchte ich die Dopingproblematik verharmlosen. Doch eine Diskussion an dieser Stelle würde den Rahmen sprengen.

Nun eine kleine Anekdote. Vor zwei Monaten fuhren mein Kollege und ich spontan für ein Wochenende nach Osteuropa. Leipzig – Görlitz – Warschau – Kaunas – Riga und zurück über Danzig – Stettin – Berlin. Die 3.000km mit dem Auto in nur vier Tagen haben sich wirklich gelohnt. In der Hauptstadt von Lettland hatten wir das Glück ein russisches Paar kennenzulernen – Svetlana und Sergej, beide Anfang 30. Spät in der Nacht trafen wir uns. Die beiden suchten ein Taxi, wir eine Schlafmöglichkeit. Da man Hilfsbereitschaft gern erwidert kamen wir schnell überein und fuhren Svetlana und Sergej nach Hause. Verständigen konnten wir uns eher nur mit Svetlana. Im Gegensatz zu Sergej konnte sie zum Glück Englisch sprechen. Trotzdem war Sergej sympathisch und lachte oft lauthals, was vielleicht an der heiteren Stimmung lag. Selten haben wir  so eine Gastfreundschaft erleben dürfen. Wir verbrachten alle gemeinsam mindestens noch eine Stunde in der Küche. Sergej reichte uns Salat, dunkles Brot mit Speck, Knoblauch und Mayonnaise. Dazu durfte Tee und andere Getränke natürlich nicht fehlen. Wir lachten viel und redeten über Russland und Deutschland. Wie es häufig üblich ist, kommt es in solch einer Atmosphäre unter Männern zum Posieren. Sergej zeigte voller Stolz seinen Bizeps. Dazu meinte Svetlana, dass ihr Freund früher Kickboxer war, aber aufgrund einer Knieverletzung aufhören musste. Nun kam es dazu, dass er mich als Gewichtheber herausforderte und wir mit Armdrücken begannen. Sergej, ca. 30 Jahre alt  und 105kg schwer. Seit Jahren keinen Sport mehr betrieben. Meine Wenigkeit, 26Jahre und 95kg, jeden Tag Maximal- und Schnellkrafttraining. Er Russe – ich Deutscher. Man wird es nicht glauben – ich hatte absolut keine Chance. Ich konnte noch so sehr drücken, alles anspannen, aber es hatte keinen Sinn. Ich hatte Glück, dass Sergej nicht meinen Arm rausgerissen hat! Mein Kollege und ich schauten uns an und schüttelten nur noch fassungslos mit dem Kopf…

Was soll euch das jetzt sagen? Die Russen sind einfach ein anderes Volk. Mit dieser Mentalität können wir überhaupt nicht mithalten. Sergej hat keine schöne Wohnung, die durchgängig auf 25 Grad im Winter geheizt ist. Er hat kein teures Proteinpulver oder ähnliches. Er hat keinen neu-sanierten Kraftraum. Er beißt die Zähne zusammen und geht mit stolzer und breiter Brust dem frostigen Wind entgegen. Uns sollte bewusst sein, wie gut es uns eigentlich geht und was wir alles für Möglichkeiten haben. Lasst uns das Beste daraus machen und nicht mit Ausflüchten oder Verweigerung reagieren. Packen wir es an!

Von |2018-02-10T10:32:49+00:0013.12.2011|Allgemein|0 Kommentare

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